Obwohl moderne Armeen zu ihren Waffensystemen auch über modernste Simulatoren für die Ausbildung und das Training der Truppe verfügen, muss die Bereitschaft von Waffensystemen, der Munition, der Führungs-Systeme und der Bedienungsmannschaften auch durch Einsätze „im scharfen Schuss“ überprüft werden.

Der Lehrverband Fliegerabwehr 33 der Luftwaffe hat 2011 zum zweiten Mal eine gemeinsame Übung mit dem Flugabwehrraketengeschwader 5 der Deutschen Bundeswehr durchgeführt. Schwerpunkt der Kampagne war das Lenkwaffen-Schiessen auf Kreta von Anfang Oktober, die Übung Open Spirit 2011.

Open Spirit 2011

Das Flugabwehrraketengeschwader 5 (FlaRakG 5) aus Oberbayern und der Schweizer Lehrverband Fliegerabwehr 33 (LVbd Flab 33) exerzieren zum zweiten Mal gemeinsam den „Scharfen Schuss“ in der NATO Missile Firing Installation (NAMFI) auf Kreta.


Missile Away (Quelle: Luftwaffe/Peter Schröder)

Das vereinte Schießen des Deutschen Flugabwehrraketensystems Patriot und der Schweizer Fliegerabwehrsysteme Rapier und Stinger ist ein Déjà-vu. Bereits 2007 war das erste gemeinsame Schießen im Verbund ein nützlicher Erfahrungsaustausch für beide Seiten.


Der Aufmarsch der Rapier-Einheiten ist im vollen Gang (Quelle: Luftwaffe)

Vorbereitung ist die „halbe Miete“

Doch bevor beide Seiten beginnen, ihre Waffensysteme zur Geltung zu bringen, wird zunächst eine Anfangslage inszeniert, die schließlich über den weiteren Verlauf des Schießens zum Waffeneinsatz, dem sogenannten „scharfen Schuß“, führt. Der erste Auftrag an die schießenden Verbände aus Deutschland und der Schweiz lautet demnach: Übernahme der Waffensysteme, Geräte, Fahrzeuge und Lenkflugkörper vom Deutschen Übungskontingent. Anschließend beginnen sofort die erforderlichen Systemchecks. Mit deren Abschluss– übrigens unter den scharfen Blicken der internationalen Bewerter - wird nach den Vorgaben des Übungsszenarios die Einsatzplanung abgeschlossen. In der Zwischenzeit haben Erkundungstrupps Stellungsbereiche auf ihre Nutzbarkeit für den Einsatz untersucht. Auch deren Berichte und Lagepläne werden genau überprüft. Nachdem die Startgeräte mit Lenkflugkörpern beladen sind, werden schließlich die Marschkolonnen aufgestellt und die schießenden Einheiten nehmen ihren Platz ein.


Rapier schießt (Quelle: Luftwaffe)

Stellungsbezug unter Schweizer Schutz

Das festgelegte Übungsszenario für das Schießen fordert zunächst die Schweizer Soldaten. Sie bekämpfen am Dienstag mit den Waffensystemen Stinger und Rapier die ersten Flugziele - währenddessen das FlaRakG 5 mit dem Waffensystem Patriot die erkundeten und vorbereiteten Stellungsbereiche auf dem Raketenschießplatz der NAMFI bezieht.


Missile Away (Quelle: Luftwaffe/Peter Schröder)Größere Abbildung anzeigen

Jeder Schuss ein Treffer

Unter kundiger Aufsicht durch den Kommandeur der 1. Luftwaffendivision, Generalmajor Robert Löwenstein, kommt danach das Waffensystem Patriot erstmals zum Einsatz. Gemeinsam mit dem Lenkwaffensystem Rapier bekämpft das deutsche FlaRak-System Patriot dabei erfolgreich alle Flugziele. „Die Zusammenarbeit mit den Schweizer Kameraden ist hervorragend.“ sagt Oberst Uwe Hänel, der Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 5. Dann wendet er sich schmunzelnd an Oberst René Wellinger, den Schweizer Kommandanten der Lehrgruppe Sichwetterflugabwehr Grund- und Weiterausbildung, mit den Worten: „Normal hätte unser Patriot den Schweizer Fliegerabwehrkräften kein Ziel überlassen - aber so ist nun mal das Übungsszenario.“


Schweizer Stinger beim Schuß (Quelle: Luftwaffe/Peter Schröder)

Effektiver Waffeneinsatz im Verbund

Am dritten Schießtag sind alle drei Waffensysteme gefordert. Nachdem alle Personen auf der Firing Range die vorgesehen Deckung aufgesucht haben, wird mit Patriot, Rapier und Stinger noch einmal „scharf geschossen“. Unter den aufmerksamen Blicken von Korpskommandant Markus Gygax, Kommandant der Schweizer Luftwaffe, und General Löwenstein beweisen die Schießcrews noch einmal ihr Können und bekämpfen erfolgreich jedes Flugziel.


Gemeinsam angepackt (Quelle: Luftwaffe/Peter Schröder)

Positives Fazit

Nach einer erlebnisreichen und erfolgreichen Schießkampagne 2011 wird zum Abschluss noch mal ein positives Fazit gezogen, bevor es wieder in die Heimatstandorte nach Deutschland und in die Schweiz geht. In der Cantonment Area der NAMFI-Kaserne, in der die Truppe während des Schießens untergebracht ist, herrscht denn auch gute Stimmung, als Oberst Uwe Hänel seinen Dank und seine Anerkennung für die Soldaten ausspricht. „Ich möchte insbesondere die beeindruckende und kameradschaftliche Zusammenarbeit mit den Schweizer Soldaten hervorheben. Und auch dem Deutsches Übungskontingent gilt mein Dank für die ausgezeichnete Unterstützung.“


Eindrucksvoller Sonnenuntergang (Quelle: Luftwaffe/Peter Schröder)

Anstrengend und aufregend waren die Tage auf Kreta für die Soldaten beider Nationen: Mehrere Systeme wurden erfolgreich aufeinander abgestimmt - zumal es sich bei dem Partner Schweiz um keine NATO- Stadt handelt. Aber das Team Luftwaffe und die Schweizer Eidgenossen haben beim gemeinsamen Vorhaben nicht nur auf der Arbeitsebene „funktioniert“, sondern auch Möglichkeiten aufgezeigt, was im Verbund einer hochentwickelten Flugabwehr mit diversen Waffensystemen - über die Grenzen hinweg - machbar ist.

(Quelle: http://www.luftwaffe.de )

 

Diese Uebung zeigte die Fähigkeiten zur terrestrischen Luftabwehr der heutigen Bedrohung. Das heisst: Konventionelle Angriffe aus dem Luftraum können mit unseren im Einsatz stehenden Abwehr-Systemen heute noch erfolgreich bekämpft werden.

Die Bedrohung aus dem Luftraum gegen Objekte am Boden hat sich aber mit der fortschreitenden Technologie rasant entwickelt. Stand für die Fliegerabwehr früher die Bekämpfung der fliegenden Waffenträger - Kampfflugzeuge und Bomber - im Vordergrund, so sind es künftig die Waffen selbst, die bekämpft werden müssen. Dafür fehlen uns die notwendigen modernen Abwehr-Mittel.

Einerseits haben wir nach dem Ende des ‚Kalten Krieges‘ das Fliegerabwehr- Raketen-System ‚Bloodhound‘ ausser Dienst gestellt. Dadurch fehlt uns auch ein bodengestütztes Waffensystem, das im oberen Höhenbereich Waffenwirkung erzielen kann. Anderseits versucht der Gegner, seine Waffenträger künftig nach Möglichkeit nicht in die Reichweite der Fliegerabwehr einfliegen zu lassen.

Eine Erweiterung des Bedrohungsspektrums sind neue Angriffsmittel:

Technisch einfache, unauffällige und kostengünstige, tieffliegende (auch ferngesteuerte) Klein-Flugzeuge als Waffenträger, sowie die Verwendung von Projektilen mit kleinstem Radarquerschnitt, z.B. aus Raketen-Mörsern, eingesetzt durch nichtmilitärische Akteure. Und die Ballistischen Lenkwaffen mit immer grösseren Reichweiten entwickeln sich zu einer ernstzunehmenden Gefahr für die europäischen Staaten und damit auch für die Schweiz.

Unsere bodengestützte Luftverteidigung – die BODLUV - muss erneuert werden! Sie muss über Wirkfähigkeiten in allen Lagen und gegen alle Bedrohungsmittel verfügen, um unsere zivilisatorischen, hochtechnisierten, verletzlichen Einrichtungen, Objekte und Räume zu schützen und Land und Volk vor Schaden zu bewahren.

Siehe dazu: >>> Bodengestützte Luftverteidigung (BODLUV) MORGEN 


Für Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung
(Bild: Karl Stadelmann)